TAG DER ERFINDER 2021 Nachlese

09.11.2021
TAG DER ERFINDER 2021 Nachlese

INNOVATIONSKULTUR IN PANDEMIEZEITEN - EIN GEDANKENAUSTAUSCH Tag der Erfinder 2021 im Wissenschaftszentrum Kiel (PVA SH GmbH)

Kiel – Innovationskultur in Pandemiezeiten – ein Gedankenaustausch, so lautete der Titel der Veranstaltung am 09.11.2021 im Wissenschaftszentrum Kiel, zu der die Patent- und Verwertungsagentur für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Schleswig-Holstein (PVA SH GmbH) zum vierten Mal Gäste aus Gesellschaft, Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Hochschulen eingeladen hatte. Anlass war der Tag der Erfinder, und ca. 50 Kenner, Förderer und Unterstützer der Innovationskultur nutzten den Tag für einen intensiven Gedankenaustausch. 

Der Tag der Erfinder wird jedes Jahr zu Ehren der Erfinderin Hedy Lamarr, an ihrem Geburtstag, dem 09. November gefeiert und von der PVA SH GmbH zu Zukunftsthemen im Bereich Innovation / Gesellschaft / Politik mit einer Veranstaltung gewürdigt, um die Innovationskultur in Schleswig-Holstein voranzubringen. 

Ziel der Veranstaltung ist ein Erfahrungsaustausch von Wissenschaftlern, Forschergruppen und Gründern mit Politikern und Fördermittelgebern, Fachleuten des Wissens- und Technologietransfers und mit Fachleuten für Geistiges Eigentum („intellectual property rights“, IPR) und Entrepreneurship.

Zur Begrüßung und Einführung in das Thema erinnerte die Geschäftsführerin der PVA SH GmbH, Frau Bärbel Winter-Claus, an die gespenstische Zeit im Herbst 2020, als es noch keinen Covid-19 - Impfstoff gab und gerade die älteren Menschen in den Pflegeheimen starben. Angehörige durften ihren Müttern und Vätern nur noch aus der Ferne zuwinken und neben der Einsamkeit in den Heimen verbreitete sich das Corona-Virus - auf der ganzen Welt. 

Als dann der Wettlauf um die Zulassung von Impfstoffen begann, war die Freude groß, dass ausgerechnet das Mainzer Unternehmen BioNTech hierbei eine herausragende Rolle spielte. Denn die Messenger-RNA-basierten Impfstoffe haben sich in der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie als besonders wirksam erwiesen.

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Frau Winter-Claus machte deutlich, dass die Entwicklungen im Umfeld dieser Impfstoffe über 35 Jahre gedauert haben und dass schon deshalb die u.a. von den USA befürwortete Aufhebung des Patentschutzes im Detail betrachtet eine sehr komplexe Angelegenheit ist.

Die weltweiten Überlegungen zur Aufhebung des Patentschutzes haben die PVA natürlich bestürzt, schließlich ist der Patentschutz für die wissenschaftlichen Einrichtungen seit Jahren die Kernaufgabe der PVA SH GmbH. Frau Winter-Claus betonte in ihrer Ansprache, dass die Patentscouts die Erfinderteams an den Hochschulen mit viel Sachverstand bei ihren Ideen auf dem Weg zu Innovationen unterstützen. Dabei ist verstanden, dass Patentschutz natürlich Geld kostet, aber zur Absicherung der eigenen Forschung für die wissenschaftlichen Einrichtungen unabdingbar ist.

 

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Der Tag der Erfinder 2021 bot dann drei Erfinderteams aus dem Medizinsektor die Gelegenheit dem interessierten und versierten Fachpublikum ihre Forschungsergebnisse und die damit zusammenhängenden technologiebasierten Gründungsvorhaben vorzustellen.

 

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Prof. Dr. Hermann von Lilienfeld-Toal und Dr. Jan Kischkat - Gründer der Firma Quantune Technologies GmbH

 

 

Mit viel Begeisterung berichtete Dr. Jan Kischkat, Physiker und Geschäftsführer der Firma Quantune Technologies GmbH, über die Entwicklung und die Einsatzmöglichkeiten ihres miniaturisierten Quantenkaskadenlasers (QCL)-Spektrometers für Lichtwellenlängen im Mittelinfrarot (MIR)-Spektrums. Das neuartige Gerät soll schon bald für nur wenige hundert Euro Stückpreis zum Verkauf angeboten werden und die aktuellen, großen, bewegungsempfindlichen und ca. 30 T€ teuren Laborgräte ablösen. Durch die Miniaturisierung ist ein Einbau in Smart Devices, wie Telefone oder Notebooks möglich.

 

Dabei sind die Anwendungsmöglichkeiten unter anderem die Messung von Körperparametern (z.B. Glukose bei Diabetikern, Elektrolytwerte von Dialysepatienten) oder Lebensmittelkontrollen auf kleinste Spuren von Stoffen. So lässt sich über das MIR-Spektrometer z.B. recht schnell und einfach herausfinden, ob ein als alkoholfrei angepriesenes Bier diesen Anspruch tatsächlich erfüllt. 

Prof. Hermann von Lilienfeld-Toal erläuterte außerdem die in den Grundpatenten der Firma Quantune dargelegten nichtinvasiven Stoffanalysen, womit z.B. die Blutzuckerbestimmung über die optoakustische Messung an der Haut erfolgen kann. Teilweise mit Unterstützung der PVA SH wurden in den letzten Jahren weitere Patentfamilien auf den Weg und zur Erteilung gebracht, die es u.a. ermöglicht haben, bei den Investoren finanzielle Mittel für den Firmenaufbau einzuwerben.

Dr. Kischkat kam auch auf das Thema des Erwerbs von Patenten von der Humboldt-Universität zu Berlin zu sprechen und schilderte die Problematik, wie ein angemessener Wert der Patente nach der DIN 77100 bestimmt werden sollte.

 

Hieran schloss sich der Vortrag von Frau Dr. Vera Herrmann thematisch dicht an: Sie hat ebenfalls ein Messgerät entwickelt, womit das Leben von Diabetikern durch die Messung des Blutzuckerspiegels ohne Einstiche in die Haut sehr erleichtert werden kann. Die integrale Komponente ist ein speziell entwickelter Sensorkopf, der 4 Nahinfrarot-Laser und modulierte Ultraschallquellen und -sensoren verwendet. Ihre Entwicklung hat bereits die Phase der Evaluierung in klinischen Studien erreicht. Frau Dr. Herrmann zeigte Studienmessdaten in einem Clark Error Grid und belegte dadurch die Aussagekraft ihrer Messungen für den medizinischen Gebrauch. Als Forscherin, Entwicklerin und Unternehmerin hat Frau Dr. Herrmann über ihre Firma Nirlus Engineering AG im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte zehn Patentfamilien angemeldet. Die ersten Patente wurden der PVA SH im Jahr 2002 von der Universität zu Lübeck gemeldet. Damals war Frau Dr. Herrmann als Leiterin des Rechenzentrums an der heutigen Technischen Hochschule Lübeck tätig-. Parallel forschte sie an der Universität Lübeck und schloss dort auch ihre Promotion in der Medizintechnik ab.

Als 2006 der Verkauf der Patente an eine Fondgesellschaft möglich gewesen wäre, entschloss sich Frau Dr. Herrmann gemeinsam mit André Augustinov und mit einem privaten Kapitalgeber, eine Aktiengesellschaft zu gründen und die Schutzrechte zu erwerben. 

 

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Dr. Vera Herrmann und André Augustinov sind die Gründer der Nirlus Engineering AG

 

Mit weiteren öffentlichen und privaten Forschungsgeldern konnten die Entwicklung des Messgerätes und erste erfolgreiche Anwendungsstudien u.a. im Universitätsklinikum Lübeck mit Patienten durchgeführt werden. Mehrere Millionen Euro wurden in den letzten Jahren von einem großen asiatischen Technologiekonzern in die Weiterentwicklung des Messgerätes investiert. Die Anforderung des Marktes ist es, für die Patienten eine ganz einfache und mobile Handhabung sicherzustellen. Neben dem Projekt Blutzuckermessgerät sind Frau Dr. Herrmann und Augustinov mit ihrer zweiten Gründung der Audisense GmbH (www.audisense.de) aktuell an einem weiterem Forschungsvorhaben auf dem Gebiet der Hörakustik aktiv beteiligt.

Sowohl Herr Dr. Kischkat als auch Frau Dr. Herrmann machten dem sehr interessierten Auditorium deutlich, wie wichtig die erfolgreiche Patentierung von Forschungserbnissen für die Gewinnung finanzstarker Investoren ist. 

 

 

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Die anschließende Mittagspause ließ Zeit für Gespräche und den Austausch zwischen den Gästen und Nachfragen bei den Vortragenden. 

 

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Prof. Dr. Anton Eisenhauer ist CEO der Firma Osteolabs GmbH

 

Der Beitrag von Prof. Dr. Anton Eisenhauer (GEOMAR) gab den Zuschauern einen Einblick in die Erfolgsgeschichte der Firma Osteolabs GmbH – einer Ausgründung (Spinoff) aus dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Die Früherkennung der Volkskrankheit Osteoporose wird über einen einfachen Urintest angeboten. Lange bevor sich Symptome zeigen, kann der Test den vorwiegend betroffenen Frauen anzeigen, ob sie später von Knochenschwund befallen sein könnten. Die entsprechenden Vorsorgemaßnahmen sollten sodann mit dem Arzt abgestimmt werden.  

 

Bereits 2004 hatte Herr Prof. Dr. Eisenhauer erkannt, dass seine radiochemischen Methoden zur Altersbestimmung von Korallen auch auf Urin- oder Blutproben zur Messung der Kalzium-Isotopenverhältnisse im Menschen angewandt werden können. Ungewöhnliche Isotopenverhältnisse sind Indikatoren für den Aufbau oder den Abbau des menschlichen Knochengerüstes lange bevor sich mechanische Effekte zeigen. Die erste Publikation einer Machbarkeitsstudie zu dieser innovativen Methode erregte im Jahre 2010 große Aufmerksamkeit in der Fachwelt, und im Jahr 2017 konnte mit einer klinischen Studie die Validierung des Verfahrens abgeschlossen werden. Zeitgleich folgten fünf Erfindungsmeldungen, die in eine Europäische Patentanmeldung des GEOMAR überführt werden konnten. Eine Lizenz-/Nutzungsvereinbarung zwischen dem GEOMAR und der Osteolabs GmbH wurde 2018 geschlossen.

 

In seinem Vortrag machte Professor Eisenhauer deutlich, dass die Finanzierung über die Helmholtz-Gesellschaft mit dem interdisziplinären Ansatz im Zusammenhang zu sehen ist. Eine Zusammenarbeit des Universitätsklinikums SH und dem GEOMAR war leider nicht selbstverständlich. Außerdem war die Strategie der Forschungsgesellschaft in Bezug auf Gründungen in 2018 besser als zehn Jahre zuvor. 

 

Als CEO begleitet Professor Eisenhauer die Osteolabs GmbH und kann weiterhin im Forschungsbereich Marine Biogeochemie als Meeresforscher im GEOMAR arbeiten. Eine erste Erfindungsmeldung zur Weiterentwicklung der Früherkennungsmethoden auch für andere Krankheitsrisiken (z.B. Krebswahrscheinlichkeiten) öffnet vielversprechende Zukunftsperspektiven für Wissenschaft und Transfer am GEOMAR. 

 

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Für seinen Vortrag dankte die PVA SH GmbH ihm – wie auch Frau Dr. Herrmann (Nirlus GmbH) und Herr Dr. Kischkat (Quantune GmbH) – mit einem Geldbaum als Geschenk und Symbol unserer besten Wünsche für das weitere Wachstum ihrer Unternehmungen.

 

Der Patentanwalt Thilo Schmelcher ist Mitinhaber der Partnerschaftsgesellschaft RCD-Patent, die für die PVA SH GmbH und die wissenschaftlichen Einrichtungen verschiedene Schutzrechtsverfahren u.a. auch für die HU Berlin und das GEOMAR begleitet. 

So gelang es ihm, das interessierte Fachpublikum in seinem rheinisch-launigen Vortrag über den Patentschutz und die gesetzlichen Schranken höchst kompetent zu informieren.

 

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Thilo Schmelcher (RCD-Patent) stellte sich als Elektroingenieur und Patentanwalt vor – und findet, dass das Fachgebiet des Schutzrechtswesens zwar trocken, aber nur auf den ersten Blick mit dem Bild vom trocknen und zweimal gerösteten Brot vergleichbar ist.

 

Zunächst stellt Herr Schmelcher klar, dass es sich beim Patentschutz um ein staatliches Monopol handelt, das quasi als Entlohnung für die Preisgabe des „geheimen“ Wissens eines Erfinders und damit als nützlicher Dienst an der Allgemeinheit gesehen wird, damit Wissen nicht verloren geht und der Gesellschaft zugänglich wird.

Für den gewünschten Fortschritt sind Erfindungen und ihre Verwertung notwendig. Gäbe es kein Monopol, so wäre es wahrscheinlich, dass wirtschaftlich potentere Marktteilnehmer wirtschaftlich schwächere, aber innovativere Marktteilnehmer verdrängen. Dies würde mithin aber zu weniger Fortschritt führen. In der Konsequenz wird also aus dem Negativszenario die Ableitung getroffen, dass Investitionen in Innovationen zu Gewinnen führen können, wenn mittels eines (zeitlich befristeten) Monopols auch für anfangs schwächere Marktteilnehmer eine realistische Chance zum Geschäftsaufbau besteht.

Bezogen auf die Frage der Pandemie und die von verschiedenen Interessensgruppen und Staaten geforderte Freigabe der Covid-19 mRNA-Impfstoffe, verwies der Patentanwalt darauf, dass das mit dem Patentschutz einhergehende Monopol natürlich erst ab dem Zeitpunkt der Erteilung eines Patentes gilt. Und von der Internationalisierung eines Patentes bis zur ersten Erteilung in einem der 153 in der WIPO (World Intellectual Property Organization) zusammengeschlossenen Staaten vergehen typisch mindestens 1,5 Jahre.

Konkret für den Impfstoff Comirnaty® von BioNTech, ist es sehr unwahrscheinlich, dass es bereits international erteilte Patente gibt, d.h. ein Monopol ist (noch) nicht gegeben.

Laut Berichten (Pfizer in NYT) besteht der BioNTech-Impfstoff aus 280 Komponenten von 86 Zulieferern aus 19 Ländern. Faktisch limitierend für die Herstellung des Impfstoffes ist also nicht vorrangig der Patentschutz, sondern die Bereitstellung der (Reinraum-) Technik, der Grundstoffe und des Know-Hows, das nicht im Patent beschrieben ist.

Der von den Ländern Indien und Südafrika an die im TRIPS-Übereinkommen der in der Welthandelsorganisation (WTO) zusammengeschlossenen Staaten gestellte Verzichts-Antrag beinhaltet die Forderung einer Ausnahmeregelung auf Gesundheitsprodukte und -tech-nologien, einschließlich Diagnostika, Therapeutika, Impfstoffe, medizinische Geräte, persönliche Schutzausrüstungen, ihre Materialien oder Bestandteile sowie ihre Herstellungsverfahren und -mittel zur Prävention, Behandlung oder Eindämmung von COVID-19. Diese Ausnahmeregelung soll für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren nach Beschluss gelten.

 

Der erforderliche Konsens der WTO-Mitglieder in dieser Sache ist unwahrscheinlich und die Umsetzung in nationales Recht wäre danach außerdem noch erforderlich.

 

Unterschiedlichste Beweggründe führen also dazu, ein lang etabliertes, international vielfältig vernetztes Patentsystem ändern zu wollen. So kann man mutmaßen, dass hier auch andere Interessen – etwa der generelle Zugang zur bereits patentierten mRNA Technik als auch der generelle Zugang zu Medizinprodukten eine Rolle spielen.

 

Vertiefende Fragen wurden im Anschluss an den Vortrag des Patentexperten gestellt und das Thema wurde insgesamt in der anschließenden Kaffeepause lebhaft diskutiert.

 

Zum Abschluss des Tages lud am Nachmittag die Moderatorin Heike Herma Thomsen (Business- & Kommunikations-Coach) zur Podiumsdiskussion ein: 

 

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Bild: (v.l.n.r.) Thilo Schmelcher (Patentanwalt), Lukas Kilian (CDU-Landtagsabgeordneter) Heike Herma Thomsen (Moderation), Dr. Vera Herrmann (Gründerin Nirlus Engineering AG), Georg Banner (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft - MBG), Axel Koch (Leiter GB Transfer der CAU)

 

Nach einer kurzen Aufwärmrunde über Assoziationen der Diskussionsteilnehmer zum Begriff „Patentschutz“, wurden Forderungen und Anregungen zur Nutzung von Patenten im Technologietransfer bzw. zur Verbesserung der derzeitigen Situation beim Transfer von Forschungsergebnissen in die Gesellschaft formuliert:

 

  • Patentschutz ist eine Möglichkeit zur Sicherung der Marktstellung eines Unternehmens.
  • Ohne Patente würden Innovationen mit hohen Entwicklungskosten gar nicht entstehen.
  • Für technologiebasierte Gründungen ist der Patentschutz ein bedeutender Faktor des Unternehmenswertes.
  • Das Patentsystem ist überarbeitungswürdig, weil Prozesse zu lange dauern, arme Staaten benachteiligt werden, etc.
  • Transfer ist ein Beziehungsgeschäft, d.h. Vermarktung funktioniert am besten über etablierte Beziehungen.
  • Mit der Anmeldung des Patentes und erst recht mit der Erteilung erhalten die Erfindungen/Ideen eine Masse und stellen damit für Investoren einen Wert dar.
  • Der Aufbau eines Patentportfolios ist wichtig für technologiebasierte Gründungen.
  • Zitat eines Innovationschefs eines großen deutschen Konzerns:
    „Die wertvollsten Erfindungen entstehen in Hochschullaboren“.
  • Zitat eines Entwicklungsleiters eines der größten Handyherstellers in Ostasien:
    „Wir sind erfolgreich, nicht weil wir klüger sind, sondern, weil wir schneller sind“.
  • Sobald unterschiedlichste Teams von Hochschulen und/oder der Industrie an einer Erfindung beteiligt sind, müssen die Modalitäten der Verwertung und Patentanmeldung geklärt werden – wie bei einem guten Ehevertrag.

 

Zum Schluss formulierten die Podiumsteilnehmer je einen kurzen Appell an Erfinder, Hochschule und Politik zur Optimierung des Schutzes von Innovationen an den wissenschaftlichen Einrichtungen in Schleswig-Holstein:

Thilo Schmelcher (RCD-Patent):

„Mutig mit der Finanzierung vorangehen. Kleinere Forschungseinrichtungen gezielt unterstützen bei der Ausgestaltung von F&E Verträgen. Nutzung bewährter und erfolgreicher Strukturen wie der PVA“

 

Lukas Kilian (CDU-Landtagsabgeordneter):

„Vorhandene Fördermöglichkeiten sollten bekannt sein und voll ausgeschöpft werden.“

 

Dr. Vera Herrmann (Nirlus Engineering AG):

„Ein zentraler Fördertopf für Patentierungen, verwaltet durch Kompetenzen, wie die Fachleute der PVA, wäre für die Erfinder und die Hochschulen aufgrund der fachkundigen und realitätsnahen Beurteilung von großer Hilfe.“

 

Georg Banner (Mittelständische Beteiligungsgesellschaft - MBG):

„Für Technologiebasierte Gründungen aus Hochschulen muss ein Verwertungsvertrag zwischen den Parteien die finanzielle Situation der Gründer und den erst in der Zukunft liegenden Wert der Patente berücksichtigen.“

 

Axel Koch (Leiter Geschäftsbereich Transfer der CAU):

„Der Schutz von Innovationen ist unglaublich wichtig, und er sollte integraler Bestandteil jeglicher Förderung von Innovationsprojekten sein. Die Möglichkeiten zum Schutz müssen niedrigschwellig sein, weil die Forschenden sich sonst auf andere Dinge konzentrieren…“

 

Aus den Statements der Diskussionsteilnehmer und der insgesamt sehr lebhaften Diskussion der Veranstaltungsteilnehmer im Versammlungsraum und in den Pausen konnte für den diesjährige Tag der Erfinder als Resümee festgestellt werden:

Der Patentschutz ist für die wissenschaftlichen Einrichtungen in Schleswig-Holstein ein wichtiges Instrument beim Transfer von Forschungsergebnissen in die Wirtschaft. Insbesondere die Technologie-basierten Ausgründungen müssen ihre Ideen und Entwicklungen in Form von Patenten aus der Hochschule lizensieren oder kaufen können.

Dabei ist unbedingt zu berücksichtigen, dass der Aufbau eines Patentportfolios immer kostenintensiv und langwierig ist (die durchschnittliche Laufzeit von Patenten beträgt derzeit 12,4 Jahre). Erfolge zeigen sich daher i.d.R. erst in der Zukunft. Wenn das Land Schleswig-Holstein einen Fördertopf für Patentkosten bereitstellt, muss ganz klar sein, dass es sich hier um Risikokapital handelt. Denn auch Ausgründungen aus wissenschaftlichen Einrichtungen sollen scheitern dürfen.

 

Für eine langfristig angelegte Innovationskultur sind in Schleswig-Holstein erste Anzeichen zu erkennen. 

 

Die Veranstaltungsreihe der PVA SH GmbH zum Tag der Erfinder wird fortgesetzt.

 

Nochmals vielen Dank an alle Referenten, Podium-Beteiligten und an unsere Gäste. Die offene Diskussion hat wesentlich zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen. Wir freuen uns schon jetzt auf eine rege Teilnahme am 09.11.2022 – zum nächsten Tag der Erfinder.

 

Mit freundlichen Grüßen

Bärbel Winter-Claus

Geschäftsführerin PVA SH GmbH

 

Kiel im November 2021

 

Und Geschenke, ein interessiertes Publikum und gute Gespräche gab es auch…

 

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Alle Fotos: PVA SH GmbH

 

Tag der Erfinder 2021 - Zusammenfassung (pdf-download)

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